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Herzfehler sind mit 0,8-1% die häufigste Organfehlbildung bei Neugeborenen und damit 6,5mal häufiger als Chromosomenanomalien und 4 mal häufiger als Neuralrohrdefekte. Sie sind für ungefähr 20 Prozent der perinatalen Todesfälle verantwortlich. In Österreich kommen jährlich etwa 700 Kinder mit einem angeborenen Herzfehler auf die Welt. Mehr als 90 Prozent dieser Kinder haben heute gute Chancen auch eine gute Lebensqualität zu erreichen, darunter auch solche mit komplizierten Fehlbildungen.
Angeborene Herzfehler werden üblicherweise im Rahmen des Organ-Screenings im zweiten Schwangerschaftstrimenon entdeckt. Allerdings schließt auch ein unauffälliger Herzultraschall um die 20. SSW die Entdeckung eines Herzfehlers bei einer späteren Ultraschallkontrolle nicht völlig aus. Daher ist eine kontinuierliche Untersuchung des Herzens während der Schwangerschaft von besonderer Bedeutung.
Wird ein Herzfehler diagnostiziert, kommt der interdisziplinären (fächerübergreifenden) Betreuung des ungeborenen Kindes große Bedeutung zu. Das kompetente Zusammenspiel von Gynäkologen, Kinderkardiologen und Kinderherzchirurgen gewährleistet eine optimale Vorbereitung auf die Geburt und die unter Umständen erforderliche Operation.
Diagnose Herzfehler - was nun?
- vor der Geburt
Eine fachgerechte Betreuung in einem spezialisierten Perinatalzentrum ist das Um und Auf einer verantwortungsvollen Schwangerenbetreuung. Ohne rechtzeitige Intervention kann sich nämlich schon intrauterin - in der Zeit vor der Geburt - eine Herzinsuffizienz entwickeln. Heute stehen mehrere therapeutische Optionen zur Verfügung: Medikamente während der Schwangerschaft, eine vorzeitige Entbindung oder entsprechende Maßnahmen nach der Geburt. Auch eine Intervention während der Schwangerschaft ist heute schon möglich: so kann eine verengte Herzklappe am ungeborenen Kind bereits im Mutterleib gedehnt werden. Dadurch kann das Wachstum der unterentwickelten Herzkammer angeregt werden. In weiterer Folge haben Kinder nach einem solchen Eingriff ein besseres Herz und damit wesentlich höhere Chancen auf ein normales Leben. Solche Operationen wurden in Österreich bereits mit Erfolg durchgeführt.
Bei der Diagnose eines schweren Herzfehlers empfiehlt es sich in einem perinatalen Zentrum mit angeschlossener Kinderherzklinik zu entbinden. Nur dort kann ein erfahrenes Spezialistenteam entsprechende Schritte während der Schwangerschaft und bei der Geburt einleiten. Werden Mutter und Kind kompetent betreut, sind außerdem die Bedingungen für eine unproblematische Geburt und eine sofortige Operation nach der Geburt besser.
- Geburt
Der Geburtsmodus wird mit der Schwangeren ausführlich besprochen. Meist wird zu einer Entbindung per Sectio geraten.
- nach der Geburt
Etwa zwei Drittel der diagnostizierten Herzfehler müssen tatsächlich operiert werden, davon ein Drittel sofort nach der Geburt, ein weiteres Drittel im Laufe der ersten Lebensjahre. Bei schweren Herzfehlern gilt prinzipiell: je früher ein Herzfehler korrigiert wird, desto weniger ist mit Spätkomplikationen zu rechnen. Einige Fehlbildungen oder Erkrankungen des Herzens können durch Herzkatheteruntersuchungen korrigiert werden, dazu gehören verengte Herzklappen oder der Verschluss von Löchern in der Herzscheidewand. Nur einige wenige Herzfehler erfordern einen chirurgischen Eingriff unter Vollnarkose. Mit Hilfe der Kathetertechnik lässt sich aber auch hier das Risiko beträchtlich reduzieren.
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