Österreichische Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin

Diagnose Herzfehler - was nun?

Mit der Diagnose "Herzfehler" beim Kind konfrontiert zu werden, zählt mit Sicherheit zu den schlimmsten Erlebnissen, denen man als Eltern begegnen kann - ist doch das Herz wie kein anderes Organ so sehr mit der Vorstellung von Leben verknüpft. Große Fortschritte in der Diagnose – und der Therapie von kindlichen Herzerkrankungen haben die Aussicht auf ein beschwerdefreies Leben jedoch deutlich verbessert.

Wenn ein Herzfehler diagnostiziert wird, geraten die betroffenen Eltern meist unter großen Druck, weil sie mit der wichtigen Frage konfrontiert sind, welche Entscheidung die beste und risikoärmste für ihr Kind ist. Etwa zwei Drittel der diagnostizierten Herzfehler müssen tatsächlich operiert werden, davon ein Drittel sofort nach der Geburt, ein weiteres Drittel im Laufe der ersten Lebensjahre. Aussagen über Prognosen und die geeignete Therapie sind jedoch nur bei genauer Kenntnis des Herzfehlers sinnvoll, und sollten unbedingt einem Spezialisten überlassen werden. Daher empfiehlt sich, nach der Diagnose eines Herzfehlers ein Perinatalzentrum aufzusuchen, wo erfahrene Ärzte verschiedener Fachdisziplinen mit den Eltern über das Ausmaß der Beeinträchtigung sprechen. Trotzdem muss in diesem Zusammenhang gesagt werden, dass Eltern immer noch während der Schwangerschaft unnötig beunruhigt werden, wenn es sich um einen „leichten“ Herzfehler handelt. Dazu gehören vor allem „Löcher“ in der Scheidewand des Herzens, sogenannte Septumdefekte zwischen den Vorhöfen des Herzens oder zwischen den Herzkammern. Solche Herzfehler gefährden das Kind jedoch nicht während der Schwangerschaft. Mittlerweile kann man Septumdefekte nach der Geburt ohne schwere Operationen mit einem Herzkatheter verschließen.

Löcher verschließen sich oft von selbst

Nicht alle Herzfehler benötigen auch wirklich eine Korrektur. In den meisten Fällen verschließt sich ein kleines Loch in der Herzscheidewand innerhalb des ersten Lebensjahres. Manchmal wird ein leichter Herzfehler erst im Rahmen der Erstuntersuchung vom Kinderarzt festgestellt. Wird beim Säugling ein Herzgeräusch vermutet, verschafft meist ein EKG (Elektrokardiogramm) oder eine Herzultraschalluntersuchung rasche Abklärung. Besteht weiterhin der Verdacht auf einen Herzfehler, ist es ratsam einen Herzspezialisten in einer Kinderklinik aufzusuchen.

Weniger Risiko durch frühe Operation

Manche Herzfehler sind jedoch lebensbedrohlich. Diese Kinder müssen schon während der Schwangerschaft sehr genau überwacht werden. Die Korrektur eins schweren Herzfehlers ist nur durch eine Operation möglich. In modernen kinderkardiologischen Zentren hat sich in den letzten Jahren der Trend zur Frühkorrektur durchgesetzt. Es hat sich gezeigt, dass weniger mit Spätkomplikationen zu rechnen ist, je früher der Herzfehler operiert wird.

Eine Reihe von krankhaften Veränderungen und Fehlbildungen im kindlichen Herzen können im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung behandelt werden. Mit dieser Untersuchungsmethode lässt sich einerseits die Art oder der Schweregrad der Herzerkrankung beurteilen. Aber auch die Notwendigkeit eines operativen Eingriffes lässt sich dadurch besser abschätzen. Zum anderen können schon im Rahmen einer Herzkatheteruntersuchung bestimmte kleine Eingriffe durchgeführt werden, die dem kleinen Patienten eine Herzoperation ersparen. Zum Beispiel kann man verengte Herzklappen und Blutgefäße durch das Einführen und Füllen von Ballonen dehnen. Aber auch Lücken in der Scheidewand der Vorhöfe können mittels Katheteruntersuchung verschlossen werden. Das geschieht mittels einer Sonde, die ein kleines Kunststoffschild in Form eines zusammengelegten Schirmchens durch die zu verschließende Lücke führt, das sich dann durch das Zurückziehen der Sonde entfaltet. Anschließend wird das gleiche Gegenstück an die andere Seite der Scheidewand gepresst, sodass die Lücke genau zwischen die beiden entfalteten Schirmchen zu liegen kommt.

Vorteile durch Herzkatheter

Die Vorteile dieser Methode: es ist keine offene Operation notwendig. Außerdem ist für den Eingriff keine Herz-Lungen-Maschine erforderlich. Statt einer langen Narbe am Brustbein, sind lediglich die Einstichstellen für das Einführen der Sonden sichtbar. Der stationäre Aufenthalt im Spital beträgt nur 3 Tage statt durchschnittlich 10 Tage.

In einigen Fällen kann auf einen chirurgischen Eingriff leider trotzdem nicht verzichtet werden. In Zukunft soll die Kathetertechnik und Chirurgie aber optimal miteinander kombiniert werden, so kann man die Risiken beträchtlich reduzieren. In beiden Fällen ist es notwendig, den Eingriff unter Vollnarkose durchzuführen, da er je nach Aufwand zwischen zwei und vier Stunden dauern kann. In Kinderherz-Zentren dürfen die Eltern während der Behandlung ganz in der Nähe ihres Kindes bleiben. Nach Möglichkeit werden Mutter oder Vater auch mit stationär aufgenommen und sind gemeinsam in einem Zimmer mit ihrem Kind untergebracht. 

Herzfehlbildungen - Allgemein

 

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