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Im Bericht „Der Hamburger Notruf zur Vermeidung der Kindesaussetzung eine ´Babyklappe´ soll Leben retten“ berichtet Dr. Herbert Wiedermann vom Amt für Jugend und Familie in Hamburg über 4 Gruppen von Frauen, die gefährdet sind, ungewollte Kinder auszusetzen oder zu töten. Es sind drogenabhängige und substituierte Mütter, weiters Frauen, die unter Gewalt in der Familie leiden, Emigrantinnen und schließlich sehr junge minderjährige Frauen.
Obwohl die vorhandenen Dienste der Stadt Wien sehr effektiv in der Lage sind, bei ungewollter Schwangerschaft Hilfe zu leisten, gibt es immer noch eine kleine Gruppe von Frauen, die aus Angst vor Strafe oder Scham ihr Baby weglegen wollen. Diese Frauen wollen sich staatlichen Stellen nicht zu erkennen geben und anonym bleiben. Die Ereignisse der letzten Tage und Monate haben die Diskussion über das „Babynest in Wien“ bzw. notwendige Gesetzesreformen und flankierende Maßnahmen erneut angeregt.
Bereits das Alte Testament berichtet über eine Hebräerin, die ihr Neugeborenes in einem Schilfkorb im Nil aussetzte, um es vor dem Knaben-Mordbefehl des Pharao zu schützen.
Erzbischof Dathens gründete 787 in Mailand die erste Einrichtung für Findelkinder. Mütter, die ihre Kinder aussetzen sollten, wurden damals schon vor der Niederkunft aufgenommen. Die Kinder wurden dort bis zum Alter von 7 Jahren betreut. Weitere derartige Einrichtungen entstanden u.a. in Siena (832), Padua (1000), Montpellier (1070) und Marseille (1199).
In mittelalterlichen Klöstern fanden sich „Drehladen“. Mütter konnten ihre Kinder von der Außenseite der Klostermauer über eine Drehvorrichtung („Drehladen“) anonym in das Kosterinnere bringen und - meist Nonnen - anvertrauen.
Im vorigen Jahrhundert drohte beim Delikt der Kindestötung noch die Todesstrafe. Nach Artikel 131 der „Peinlichen Gerichtsordnung“ von Karl V. sollte diese „besonders qualvoll ausfallen, um den extrem grausamen Tatbestand zu sühnen“. Frauen wurden oft gepfählt oder lebendig begraben. Trotz dieser drakonischen Maßnahmen gelang es bis heute nicht, Kindesweglegung oder Kindesmord zu verhindern. Wir müssen daher nach neuen Lösungen suchen!
In Deutschland sind Babyklappen meist an Häusern der Jugendwohlfahrt angesiedelt, die mit Kinderspitälern zusammenarbeiten. In Hamburg wurde vom Verein SterniPark e.V. im Stadtteil Altona (Goethestraße 27) im April 2000 die erste Babyklappe eröffnet, im Juli 2000 im Stadtteil Wilhelmsburg die zweite. Zusätzlich betreibt SterniPark einen Bauernhof, wo Mütter mit ihren Babies einen neuen Versuch des Zusammenlebens beginnen können. Beide Babyklappen in Hamburg sind bei Kindertagesstätten angesiedelt, ebenso die Babyklappe in Lübeck.
Das Haus „Sonnenblume“ in Berlin Schönow bzw. das „Projekt Moses“ im bayrischen Amberg wird von religiösen Institutionen betreut.
In Ungarn sind die bisher 8 Babyklappen bei Spitälern mit entsprechend ausgestatteten Kinderabteilungen angesiedelt, eine Modellvariante, die sich sehr gut bewährt hat. Diese Lösung scheint uns insgesamt besser und leichter realsierbar.
Im Vordergrund aller Bemühungen steht sicher die Verhütung einer ungewollten Schwangerschaft, also Aufklärung und Information über Empfängnisverhütung.
Das Babynest selbst kann sicher nur der letzte Ausweg für Mütter in einer verzweifelten Lebenssituation sein.
Wichtig wäre gleichzeitig die stille oder anonyme Geburt - wie z.B. in Frankreich bereits realisiert - zu ermöglichen, um Mutter und Kind in der nicht ungefährlichen Phase der Geburt entsprechend medizinisch versorgen und schützen zu können.
Konsequenterweise wäre der dritte Schritt die Möglichkeit einer anonymen Betreuung von Schwangerschaften, um für die Geburt optimale Voraussetzungen zu schaffen. Mit diesem 3-Stufen-Plan könnten viele Probleme bereits im Vorfeld verhindert werden. Alle drei Stufen wären im Wilhelminenspital zu realisieren, am einfachsten als 1. Schritt das Babynest (Babyklappe).
Die Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde Kinderklinik Glanzing im Wilhelminenspital der Stadt Wien verfügt sowohl über große Erfahrung im Bereich der Säuglingsheilkunde (Neonatologische Intensivstation (NICU), Intermediate Care Station (IMC), Säuglingsstation) als auch über psychosomatische Kompetenz (Station für Säuglingspsychosomatik).
Somit ist eine günstige Grundsituation für die Ansiedlung des Babynests im Bereich des Wilhelminenspitals gegeben, ohne daß neue eigene Strukturen geschaffen werden müssen oder zusätzliche Kosten anfallen.
Das Babynest Glanzing kann am Flötzersteig in geringer Entfernung von der Ambulanz der Kinderabteilungen bei der Autobusstation der Linie 48A (Wilhleminenspital) angesiedelt werden. Dadurch ist einerseits die Anonymität gewährleistet, andererseits kann bei Abgabe eines Kindes innerhalb von wenigen Minuten die umfassende und kompetente Versorgung des Neugeborenen angeboten werden.
Die Übergabe des Kindes kann in zwei Arten erfolgen:
- 1. Mütter die anonym bleiben wollen, können über ein Nottelefon Kontakt mit dem psychosomatischen Dienst der Kinderklinik Glanzing aufnehmen, die eine Beratungsfunktion übernimmt, die Mutter auf bestehende Hilfsangebote hinweist und eventuell zu weiteren Beratungsterminen bezüglich Hilfestellung einladen kann. Sollten diese Maßnahmen nicht zielführend sein, so kann ein Teffpunkt für die persönliche, aber trotzdem anonyme Übergabe des Neugeborenen vereinbart werden, z.B. an der Säuglingsstation im Pav. 21 des Wilhelminenspitals.
- 2. Möchte die Mutter ihr unwillkommenes Neugeborenes völlig anonym abgeben, so deponiert sie es im „Babynest Glanzing“ am Flötzersteig. In der Klappe findet die Mutter ein Merkblatt mit der Telefonnummer des Notrufs, wo sie in den nächsten 8 Wochen Auskunft über ihr Kind bekommen kann, sowie ein Stempelkissen.
Die Identitätsnachweis zur Indentifizierung des Neugeborenen bei Rücknahmewunsch erfolgt mittels Fuß- oder Handabdruck des Kindes auf der Rückseite des Informationsblattes, das die Mutter beim Öffnen der Klappe des Babynestes vorfindet. Im Falle des Wunsches der Rückgabe ist das Neugeborene somit leichter zu identifizieren ergänzt durch gentechnische Untersuchungen. Diese Methode hat sich in Hamburg bereits gut bewährt.
Ein Wärmebett in Babynest löst über Sensoren einen optischen und/oder akustischen Alarm aus, sodass die in der Kinderintensivstation tätigen Pflegepersonen sofort informiert sind und den diensthabenden Arzt der Kinderklinik Glanzing alarmieren.
Das Neugeborene wird an die Säuglingsstation der Kinderklinik Glanzing (im Pav. 21) gebracht, fachärztlich untersucht und zur Beobachtung aufgenommen. Natürlich steht auch die neonatologische Intesivstation mit allen ihren Möglichkeiten im Bedarfsfall zur Verfügung.
Bei stabilem Gesundheitszustand kommt der Findling für bis zu 8 Wochen in eine Pflegefamilie. Die Mutter hat über das Angebot der Unterstützung ausreichend Gelegenheit, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen und sich in dieser Zeit doch noch für ihr Kind entscheiden.
Kommt es zu keiner Lösung, veranlasst das Amt für Jugend und Familie die Adoption des Kindes. Auch wenn das Babynest nur der letzte Ausweg sein soll, so kann der „etablierte Notruf zur Vermeidung von Kindesaussetzungen“ doch Leben retten.
An der Abteilung für Kinder- und Jugendheilkunde Kinderklinik Glanzing mit Neonatologie und Psychosomatik existiert bereits jetzt ein „Psychosomatikdienst“ mit speziell ausgebildeteten Fachärzten, die teilweise auch Psychotherapeuten sind und u.a. für die Säuglingspsychosomatik zuständig sind.
Dieser 24 Stunden anwesende Arzt kann die „Hotline“ („Rotes Telefon“) betreuen, ohne das dafür zusätzliches Personal angestellt werden muss. Der diensthabende Psychosomatikarzt (meist auch ausgebildeter Psychotherapeut!) ist in der Gesprächsführung in Krisensituationen geschult. Er berät die Mutter und versucht, ihr Hilfestellung zu bieten bzw. die Hilfesuchende an bereits bestehende Hilfsinstitutionen weiter zu vermitteln. Sollten diese Hilfsangebote nicht ausreichen, so kann der Dienstarzt die beiden Möglichkeiten der Übergabe anbieten: Persönliche, aber anonyme Abgabe bzw. völlig anonyme Abgabe des Säuglings im Babynest.
Die Betreuung des Babynests Glanzing kann die neonatollgische Intensivstation übernehmen. Wird ein Baby im Babynest (einem der Kinderambulanz am Flötzersteig unmittelbar benachbarten kleinen Gebäude) abgegeben, so wird ein Alarm im Bereich der neonatologischen Intesivstation ausgelöst, wo auf einem LCD-Monitor zu sehen ist, was im Wärmebett liegt. Die diensthabende Schwester kann den diensthabenden Neonatologen oder Psychosomatikarzt verständigen. Er ist für das Abholen des Findelkindes aus dem Babynest am Flötzersteg , für die erste Untersuchung und die stationäre Aufnahme des Findelkindes an der Säuglingsstation verantwortlich. Gleichzeitig erfolgt durch ihn die Verständigung der für uns zuständigen Sozialarbeiterin bzw. des Amtes für Jugend und Familie, da eine enge Vernetzung und gemeinsame Vorgangsweise mit allen bereits bestehenden Hilfsangeboten angestrebt ist.
Im Wilhelminenspital der Stadt Wien sind die personellen Strukturen für die Primärversorgung eines Findelkindes bereits vorhanden. Auf der neonatologischen Intensivstation im Pav. 21 sind ein Schwesternnachtdienst und ein neonatologischer Intensivdienst etabliert, sodass ein akustischer und/oder optischer Alarm sofort wahrgenommen werden kann und der diensthabende Arzt der Abteilung „Kinderklinik Glanzing“ verständigt werden kann.
Der „Psychosomatikdienst“ ist ebenfalls an der kinderinternen Abteilung Kinderklinik Glanzing im Wilhelminenspital etabliert und kann das Potential seiner speziellen Ausbildung, insbesondere der zusätzlichen Psychotherapieausbildung ebenso kostenlos für die „Hotline“ einbringen.
Lediglich die baulichen Maßnahmen z.B. im Bereich Flötzersteig fallen als Einmalkosten an. Wegen der zugesicherten Anonymität muß eine gewisse räumliche Entfernung vom Ambulanzgebäude Flötzersteig gegeben sein muss.
Bei Ausnützung der vorhandenen Strukturen und der diensthabenden Ärzte und Schwestern ist aus heutiger Sicht kein zusätzlicher Personalbedarf gegeben.
Das Babynest soll den Schutz des Lebens des Neugeborenen sicherstellen. Zusätzlich ist die Bereitstellung umfangreicher, professioneller Hilfe für die anonym bleiben wollende Mutter nötig.
Die Notsituation des Findlings wird durch die Abgabe im Babynest bekannt gemacht, sodass adäquate Hilfsmaßnahmen erst möglich werden. In der Bevölkerung soll Verständnis für die schwierige Notsituation der Mutter (Eltern) geweckt werden. Mütter müssen Vertrauen in die zugesicherte Anonymität haben. Entsprechende Öffentlichkeitsarbeit muss die Möglichkeit des Babynestes (als letzter Ausweg) der Bevölkerung bewußt machen.
Innerhalb einer 8-Wochen-Frist soll der Mutter mit intensiver professioneller Unterstützung und Hilfsangeboten die Möglichkeit gegeben werden, sich doch für ihr Kind zu entscheiden und den Säugling zurückzunehmen.
Neben allgemeinen flankierenden Maßnahmen sind in weiteren Schritten die anonyme Geburt und die anonyme Schwangerschaftsbetreuung und vor allem präventive Maßnahmen der Konzeptionsverhütung bei jungen Mädchen zu realisieren. Diesbezügliche Erfahrungen liegen in Frankreich bereits vor. Gerade bei frühzeitiger Betreuung in der Schwangerschaft steigt die Möglichkeit, durch zeitgerechte Hilfsangebote doch die Anonymität zu verlassen und sich zum eigenen Kind zu bekennen.
Nur so können wir mithelfen, das ‚Recht des Kindes auf Kenntnis seiner Abstammung bzw. auf Kenntnis seiner Mutter zu sichern.
Prim.Univ.Prof.Dr.Andreas Lischka
Vorstand d.Abt.f.Kinder.-u.Jugendheilkunde
Kinderklinik Glanzing mit Neonatologie und Psychosomatik
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Die homepage unter der Internetadresse www.babynest.wien.at gibt Auskunft über das Babynest Glanzing im Wilhelminenspital. Ein Lageplan zeigt den Standort an der Außenmauer des Wilhelminenspitals bei der Autobushaltestelle der Linie 48A Flötzersteig-Wilhelminenspital nahe dem Gabäude der Kinderambulanz.
Dadurch entsteht neben der persönlichen und telefonischen Beratung noch ein dritter Weg, Informationen über das Babynest Glanzing im Wilhelminenspital einholen zu können. Betroffene haben damit die Möglichkeit, anonym, in aller Ruhe nachlesen zu können, was sich hinter dem Begriff des Babynests verbrigt, wie es funktioniert und wo es sich befindet.
Extrem schwierige Lebenssituation gepaart mit einer Verleugnung der Schwangerschaft und dem Ignorieren der herannahenden Geburt stellen Parameter dar, die zu Kindesweglegung führen können. Betroffenen Mädchen und Frauen fehlt es an Vertrauen in die soziale Umwelt und am Wissen um Organisationen, bei denen sie Unterstützung finden und über ihre Probleme reden können.
Beratung von Jugendlichen über Sexualität, Schwangerschaft bzw.
Schwangerschaftsverhütung, Krisenmanagement:
Beratungsstelle für Familienplanung/Jugendberatung der Stadt Wien
1190 Wien, Heiligenstädterstraße 82-86 (Karl-Marx-Hof)
Tel.: 369 89 88
Dienstag 17.30 bis 19.30 Uhr (keine Beratung während der Schulferien)
First Love:
Krankenanstalt Rudolfstiftung
1030 Wien, Juchgasse 25
Tel.: 711 65/4712
Montag 14-16 Uhr
Mittwoch 14-16 Uhr
F.E.M. Gynäkologische Hotline
Tel.: 47 615/5772
Mittwoch 14-15 Uhr
"Herzklopfen"
Tel.: 0660/8851 (österreichweit zum Ortstarif)
Samstag 14-18 Uhr
MAG ELF-Servicestelle:
Tel.: 4000/8011
Montag-Freitag 8-18 Uhr
Kindertelefon der MAG ELF:
Tel.: 319 66 66
Montag-Freitag 10-20 Uhr
Beide 1030 Wien, Rüdengasse 11
Frauennotruf der Stadt Wien:
Tel. 71 71 9
Rund um die Uhr
"Rat auf Draht" - ORF
Tel. 147
Rund um die Uhr
Wiener Kinder- und Jugendanwaltschaft
Tel.: 17 08
1110 Wien, Lorystraße 40-42
Tel. 749 68 50
1150 Wien, Geyschlägerstraße 2
Tel.: 982 25 00
1200 Wien, Dresdnerstraße 73
Tel.: 33 140/89699
1220 Wien, Langobardenstraße 128/12
Tel. 285 45 37
Institut für Erziehungshilfe:
1100 Wien, Sahulkastraße 5/Stg. 35
Tel.: 616 16 74
Montag Freitag 9-17 Uhr (Frau Dr. Smolen)
weiter zu: Babynest - Wilhelminenspital (dzt. Vorgangsweise)
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