Österreichische Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin

Lageanomalien

Beckenendlage (Steißlage)

Bei der Beckenendlage liegt das Kind mit dem Gesäß in Richtung Geburtskanal. Diese untypische Lage tritt in ungefähr fünf Prozent der Schwangerschaften auf. Die Diagnose einer Beckenendlage wird am besten durch den Ultraschall gestellt.
Die Entbindung einer Beckenendlage ist riskant, weil das Gesäß oder auch die Füße weniger geeignet sind, den Geburtsweg aufzudehnen, als der Kopf. Wenn der Steiß geboren ist, kommt der Zeitpunkt, wo die Nabelschnur abgedrückt wird, der Kopf aber noch in der Gebärmutter ist. Dies ist der gefährlichste Zeitpunkt. Es besteht ein hoher Druck sowie eine starke Zugbelastung auf das Köpfchen und die Wirbelsäule. Diese Druckschwankungen können zu neurologischen Ausfällen führen, weshalb bei den Beckenendlagen aus Vorsicht meist die Indikation zum Kaiserschnitt gestellt wird.
In manchen Kliniken wird zunächst eine vaginale Geburt versucht, allerdings nur dann, wenn die Schwangere es ausdrücklich wünscht und die bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind (z.B. die Frau hat schon einmal geboren, das Geburtsgewicht des zu erwartenden Kindes liegt unter 3500g). Bei der sehr seltenen Fußlage oder wenn das Köpfchen gestreckt mit dem Gesicht nach oben liegt, wird generell ein Kaiserschnitt durchgeführt.

Das Risiko einer Beckenendlagenentbindung ist kalkulierbar, wenn:

  • die Entbindung in einem Krankenhaus von einem erfahrenen Geburtshilfe-Team durchgeführt wird
  • das erwartete Gewicht des Kindes unter 3500g liegt
  • Fehlbildungen in der Steißregion ausgeschlossen werden können
  • kein Missverhältnis zwischen Kopf und kleinem Becken vorliegt

Viele Kinder drehen sich bis zur Geburt von allein in die Schädellage. Diese Drehung lässt sich durch folgende Wendeversuche unterstützen.

Indische Brücke
diese gymnastische Übung führt zwar einer Studie an der Universitätsfrauenklinik Wien zufolge zu keiner signifikanten Erhöhung von Spontanwendungen. Da sie aber als Methode ohne Nachteile und Risken für Mutter und Kind gilt, wird sie trotz dieser Studienergebnisse nicht völlig verworfen. Die Schwangere liegt dabei auf dem Rücken - Bauch und Becken werden für 10 Minuten hoch gelagert. Diese für Mutter und Kind unbequeme Stellung soll - zweimal täglich durchgeführt – das Kind zur selbständigen Drehung motivieren.

Moxibustion
Es entspricht einer alten chinesischen Tradition, Kinder in Beckenendlage durch Wärmeanwendung an einem bestimmten Akupunkturpunkt (kleine Zehe der Schwangeren) mit Hilfe von brennendem Moxakraut zu einer Drehung in die Schädellage zu veranlassen. Die Wärmeanwendung regt die Kindesbewegungen für etwa 12-24 Stunden deutlich an und fördert somit die Drehwilligkeit des Kindes. Durch Moxibustionsbehandlung soll eine Spontandrehungsrate von über 50 % erreicht werden (zwischen 33. SSW und 37. SSW).

Äußere Wendung
Bei der äußeren Wendung versucht ein versierter Geburtshelfer mit beiden Händen das Kind von außen zu drehen. Das Kind soll in der Gebärmutter eine "Rolle rückwärts" machen, damit es so von der Steiß- in die Schädellage zu liegen kommt. Diese Methode erfordert sehr viel Erfahrung und entsprechende Vorsicht. Die Erfolgsquote beträgt etwa 50%, mögliche Komplikationen werden mit 0,64% angegeben und bestehen in einem vorzeitigen Ablösen des Mutterkuchens und Nabelschnurumschlingungen. Zur Sicherheit sollte deshalb bei jeder äußeren Wendung ein komplettes OP-Team bereitstehen. Falls es zu Komplikationen kommen sollte, erfolgt sofort ein Kaiserschnitt.

Steißgeburt
Die Schwangere sollte über alle Risiken informiert werden. Meistens wird die Durchführung einer PDA empfohlen, weil die Entbindung bei Beckenendlagen meistens länger dauert.

Querlage

Das Kind liegt nicht längs, sondern quer in der Gebärmutter. Die Querlage kommt unter 100 bis 200 Geburten etwa einmal vor. Eine Querlage kann sich von selbst korrigieren und gegen Ende der Schwangerschaft, manchmal auch erst beim Einsetzen der Wehen, zu einer Schädel- oder Steißlage werden. Bleibt das Baby in Querlage, kann nicht normal entbunden werden und ein Kaiserschnitt ist aus Sicherheitsgründen erforderlich.
Ein Problem der Querlage ist, dass beim Platzen der Fruchtblase die Nabelschnur in die Scheide vorfallen kann, da weder Kopf noch Gesäß den Beckenausgang blockieren und dies verhindern. Solch ein Nabelschnurvorfall verlangt das sofortige Eingreifen des Geburtshelfers, damit das Kind so schnell und sicher wie möglich entbunden wird.

 

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