Österreichische Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin

Geburtshilfe

Geburtenregister Österreich

Die traditionelle Geburtshilfe hat sich in den letzten Jahren immer mehr zur "Schwangerenhilfe" entwickelt. Diese Entwicklung wurde durch den kontinuierlichen Anstieg des Gebäralters und die zunehmende psychosoziale Bedeutung von Geburt und Schwangerschaft aufgrund der sinkenden Geburtenzahl begünstigt.

Hauptaufgabe der modernen Schwangerenhilfe ist es heute, möglichst früh Niedrigrisiko- von Hochrisikoschwangerschaften unterscheiden zu können. Diesem Konzept entsprechend sollen bei Schwangeren ohne erkennbares Risiko medizinischtechnische Untersuchungen möglichst zurückhaltend und gezielt angewendet werden.
 

Andererseits müssen Schwangere mit bestimmten Risikofaktoren, von denen viele bereits in der Frühschwangerschaft erkennbar sind (z.B. Mehrlinge, Fehlbildungen, Risiko für Gestose, mütterliche Erkrankungen, Risikofaktoren in der Vorgeschichte, usw.), unter Einbeziehung aller heute etablierten Untersuchungs-, Überwachungs- und Behandlungsmethoden in Kompetenzzentren intensiv betreut werden.

Dieses Konzept verlangt in weiterer Konsequenz die Regionalisierung der eigentlichen Geburtshilfe: Low-risk-Schwangere sollen in gut ausgestatteten Geburtshilfeabteilungen, die die Voraussetzungen für die Beherrschung eines Notfalls bereitstellen können, entbunden werden, während Risikoschwangerschaften in speziell ausgewiesenen Zentren mit entsprechender personeller und apparativer Infrastruktur betreut und entbunden werden müssen.

Die Pränatal- oder Fetalmedizin ist in den letzten Jahren zu einem wichtigen Bestandteil der Schwangerenbetreuung geworden. Dem natürlichen Bedürfnis, "so früh wie möglich und so sicher wie möglich" über die Entwicklung des Ungeborenen Bescheid zu wissen, wurde durch die Etablierung des sog. Ersttrimesterscreenings in der 12.-14.Schwangerschaftswoche (Ultraschall zum Ausschluss bzw. Nachweis von Fehlbildungen, Nackentransparenzmessung und Combined Test zur Berechnung des individuellen Chromosomenrisikos) in hohem Maße Rechnung getragen.

Im Falle eines erhöhten Risikos für Chromosomenschäden hat sich die in Kompetenzzentren durchgeführte Chorionzottenbiopsie durchgesetzt, die noch im 1.Schwangerschaftsdrittel Klarheit schaffen kann (Nachweis eines Chromosomenschadens oder frühzeitige Beruhigung der Schwangeren).

Das Ungeborene ist also in den letzten Jahren zu einer neuen Art Patient geworden ("Fetus als Patient"). So führt die vorgeburtliche Diagnose von Fehlbildungen durch frühzeitige interdisziplinäre Zusammenarbeit nachweislich zu einem besseren Ergebnis bei jenen Kinder, die mit dem Startnachteil einer Fehlbildung geboren wurden (Einfluss auf Geburtsort, Geburtsmodus, Geburtszeitpunkt, Behandlung des Neugeborenen unmittelbar nach der Geburt durch Spezialisten). Andererseits sind therapeutische Eingriffe am Ungeborenen heute bei bestimmten Entwicklungsanomalien möglich geworden (z.B. fetoskopische Eingriffe, intrauterine Bluttransfusionen, direkte Eingriffe am Feten, usw.).

Die moderne Geburtshilfe ist also heute zur fetomaternalen Medizin (d.h. Einbeziehung von Mutter und Kind) erweitert geworden.

Wenn es gelingt, diese sinnvollen Konzepte - immer mit Respekt vor der Autonomie der Schwangeren und ihren Entscheidungen - flächendeckend in Österreich zu etablieren, wird die "Schwangerenhilfe" mehr denn je zum Wohle von Mutter und Kind beitragen können.

 
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