Österreichische Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin

Konsensusstatement - Regionalanästhesie

Welche Laboruntersuchungen gelten als Voraussetzung zur
Durchführung eines Regionalanästhesieverfahren unter der Geburt?

In Ergänzung zu den Leitlinien der DGAI (Deutsche Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin) von 1998 ist es uns ein Anliegen, zu einem in Österreich bislang kontroversiell diskutiertem Thema Stellung zu beziehen:

Noch immer ist es weit verbreitete Praxis, dem Wunsch nach einer geburtshilflichen Epiduralanästhesie erst nach Vorliegen aktueller Gerinnungsparameter und der Thrombozytenzahl zu entsprechen, obwohl sich nach den Kriterien einer "Evidence Based Medicine" dafür keine Notwendigkeit ableiten lässt. Weder in den Leitlinien der deutschen Gesellschaft noch in jenen der USA oder in den Standardlehrbüchern findet sich ein Hinweis, dass man praeoperativ bei anamnestisch und klinisch gesunden Frauen Gerinnungsbefunde machen soll, es wird lediglich auf Befunderhebung nach individueller Anamnese verwiesen.

Simon et al. haben in einer 1997 erschienenen Arbeit darauf hingewiesen, dass bei unauffälliger Schwangerschaft Routinegerinnungstests zur Aufdeckung von Gerinnungsstörungen entbehrlich sind.

Das Risiko spinaler oder epiduraler Hämatome beträgt nach Schätzungen von Tryba zwischen 1:150000 (Epiduralanästhesie) und 1:220000 (Spinalanästhesie), eine Inzidenz, die derjenigen spontan auftretender Hämatome entspricht. Auch wenn dieses Risiko bei Patientinnen mit einer Thrombozytopenie theoretisch steigen dürfte, fehlen wissenschaftlich ausreichend fundierte Kriterien, um einen unteren Grenzwert für die "sichere" Thrombozytenzahl definieren zu können.

Wir erlauben uns deshalb die folgenden Empfehlungen:

Bei anamnestisch und klinisch gesunden Schwangeren, die keine gerinnungshemmenden Medikamente einnehmen, kann bei der Durchführung einer rückenmarknahen Regionalanästhesie unter der Geburt auf Laboranalysen verzichtet werden, ohne dadurch allgemein akzeptierte Sicherheitsstandards zu verletzten. So können lange Wartezeiten verkürzt und unnötige Kosten vermieden werden.

Literatur:

Beilin Y, Bodian C, Haddad E, Leibowitz A
Practice Patterns of Anesthesiologists Regarding Situations in Obstetric Anesthesia. Where Clinical Management is Controversial
Anesth Analg 1996;83:735-41

Simon L, Santi T, Sacquin P, Hamza J
Pre-anaesthetic assessment of coagulation abnormalities in obstetric patients: usefulness, timing and implications
British Journal of Anaesthesia 1997;78:678-83

Leitlinien zur Durchführung von Regionalanästhesieverfahren in der Geburtshilfe Anästh. Intensivmedizin 1998; 39:203-204

Task Force ASA Practice Guidelines for Obstetrical Anesthesia
Anesthesiology 1999; 90: 600 - 11

Consensus Conference ASRA, ESRA and FDA (Editors: Heit JA, Horlocker TT): Anticoagulation and Neuraxial Block; Regional Anesthesia and Pain Medicine (1998) 23(Suppl.2): 129-193

 
September 2003

Univ. Prof. Walther Gruber
Präsident

Prim. Dr. Max Gosch
Vizepräsident

Univ. Prof. V. Hempel
Klinikum Konstanz

Prim. Dr. H. Walch
Klinikum West Graz

Univ. Prof M.C. Schneider
Univ. Klinik Basel

Univ. Prof. J. Neumark
SMZO Wien

Dr. M.G. Mörtl
LKH Klagenfurt

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