Österreichische Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin

Fetale Magnetresonanztomographie
(MRT, MR)

Die Magnetresonanz-Tomographie ermöglicht nicht nur Einblicke in die Struktur der inneren Organe, sondern auch in ihre Funktionen. Bei der fetalen MRT handelt sich um eine Schnittbildmethode, die ohne Verwendung von Röntgenstrahlen und Kontrastmittel, Bilder aus dem Körperinneren des ungeborenen Kindes beziehungsweise der Plazenta und Gebärmutter liefert. Ein starkes Magnetfeld wirkt spezifisch auf die Wasserstoffatome des Gewebes, die, je nach Gewebeart, unterschiedlich stark und lang reagieren. Die MRT liefert einerseits wichtige Zusatzinformationen zu einer bereits erfolgten Ultraschalldiagnose. Manchmal ist eine exakte Beurteilung einer Funktionsstörung im kindlichen Organismus aber überhaupt erst durch die MR möglich. Die Methode wird seit mehr als 20 Jahren angewendet und es ist kein schädigender Einfluss auf das ungeborene Kind bekannt.

 
Methode

Im Prinzip arbeitet die Magnetresonanz-Tomographie wie eine Filmkamera, die selbst kleine Details und Veränderungen im Gewebe festhält. Auch Änderungen des Sauerstofftransportes können so festgestellt werden. Sauerstoff ist in den roten Blutkörperchen an ein Protein, das so genannte Hämoglobin, gebunden. Je nach dem, ob Hämoglobin mit Sauerstoff beladen ist oder nicht, hat es unterschiedliche magnetische Eigenschaften. Die Radiowellen des Tomographen tasten das magnetisierte Blut ab und machen sichtbar, ob, wo und in welchem Ausmaß der Sauerstoff verbraucht wird. Ein Computerprogramm setzt die magnetischen Signale in grau abgestufte Schichtbilder des Körpers um.

 
Untersuchungszweck

Viele krankhafte Veränderungen der Organe oder des Zentralnervensystems lassen sich mit dem herkömmlichen Ultraschall nicht darstellen. So ist etwa die Sauerstoff-Versorgung des kindlichen Gehirns mit den derzeitigen technischen Möglichkeiten nicht exakt messbar. Derartige Untersuchungen gelingen nur mit der Magnetresonanz-Methode. Die detaillierten Bilder erlauben auch eine Unterscheidung von genetisch bedingten Fehlbildungen und Schädigungen, die während der Schwangerschaft aufgetreten sind.

 
Wann wird eine fetale MRT eingesetzt?

Vorgänge aus dem Inneren des Feten, etwa die Pumparbeit des Herzens oder Schluckbewegungen, können mittels MRT besonders gut dargestellt werden. Auch eine Durchblutungsstörung der Plazenta kann oft früher als mit dem Ultraschall entdeckt werden. Selbst kleinste Strukturen wie die Schilddrüse kann man mit Hilfe der MRT abbilden. Zu den häufigsten Indikationen für eine fetale MR zählen:

  • Fehlbildungen des Gehirns sowie aller Organe
     
  • Gesichtsfehlbildungen
     
  • Fetale Wachstumsstörungen
    diese können unterschiedliche Ursachen haben. So können Störungen der Plazenta, die mit einer eingeschränkten Sauerstoffversorgung des ungeborenen Kindes einhergehen, zu einer akuten oder chronischen Schädigung der kindlichen Organe führen (z. B. Lunge, Gehirn)
     
  • Mütterliche Probleme
    In Zukunft ist zu erwarten, dass die MRT eine drohende Schädigung bei entzündlichen Veränderungen, Präeklampsie und Plazentainsuffizienz erfassen kann.

Zeitpunkt der Untersuchung

Derzeit wird die fetale MR in gut ausgerüsteten Perinatalzentren ab der 18. Schwangerschaftswoche eingesetzt.

 
Untersuchungsablauf

Vor der Untersuchung wird die Schwangere ausführlich über die Magnetresonanztomographie informiert und aufgefordert, mit ihrer Unterschrift zur Untersuchung einzuwilligen. Da Metallteile die Bildgebung beinträchtigen können, ist es notwendig, metallene Gegenstände (Uhr, Schmuck, Piercing etc.) abzulegen. Auf dem Untersuchungstisch kann sich die Schwangere so platzieren, dass sie bequem liegt. Mit einer Glocke kann man sich jederzeit während der Untersuchung in der Röhre bemerkbar machen. Auch die Anwesenheit einer Begleitperson im Untersuchungsraum ist möglich. Die gesamte Untersuchung dauert 30 bis 45 Minuten. Da das dabei auftretende Klopfgeräusch mitunter sehr laut sein kann, bekommt man einen Gehörschutz. Das Baby hört das Geräusch nur gedämpft, weil es durch Fruchtwasser die mütterliche Bachdecke abgeschwächt wird. Das Untersuchungsergebnis liegt in den meisten Fällen bereits am nächsten Tag vor.

 
Vorteile

Die MRT erlaubt eine schonende, frühzeitige Untersuchung des ungeborenen Kindes, wenn der Ultraschall nicht ausreicht. Sie ist für Mutter und Kind schmerzlos. Im Gegensatz zu früheren Untersuchungen, bei denen der Fetus mit einer muskellähmenden Substanz ruhig gestellt werden musste, um scharfe Bilder zu bekommen, sind heute nur noch zwanzig Sekunden für die Aufnahme notwendig. Somit ist eine Immobilisierung des ungeborenen Kindes nicht mehr notwendig.

 
Nachteile

Die MR-Untersuchung ist laut, deswegen bekommen Schwangere und Begleitperson einen Gehörschutz. Weiters kann es sehr heiß werden. Der Kopf selbst ist zwar nicht in der Röhre, Leute mit Platzangst haben jedoch manchmal Schwierigkeiten.

 
Konsequenzen

Die MRT ist keine Screeningmethode - ein aktueller Ultraschallbefund sowie alle relevanten Informationen aus der Krankengeschichte der Schwangeren sollten daher vorliegen. Wenn erforderlich, hilft diese spezielle Untersuchung jedoch, Entscheidungen über die weitere Vorgehensweise in der Schwangerschaft, während und nach der Geburt zu beeinflussen Obwohl die Methode als gut erforscht gilt, gibt es derzeit noch keine direkten. Vergleichsstudien in Bezug auf Ultraschall und Magnetresonanz. Die Indikation zur fetalen MRT sollte daher individuell, und in unklaren Fällen nach Rücksprache mit allen Beteiligten (Eltern, Pränataldiagnostikern, Neonatologen, (Neuro-) Chirurgen und Radiologen) gestellt werden.

 
Was die Schwangere wissen sollte

  • Ungefähr 30 Minuten vor der Untersuchung sollte nichts mehr gegessen oder getrunken werden.
  • Die Blase sollte entleert sein
  • Das Tragen von Implantaten sollte vor der Untersuchung dem Arzt oder der Assistentin gemeldet werden.
  • Falls die Schwangere einen Herzschrittmachers trägt, kann keine MRT Untersuchung durchgeführt werden.

 


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