Österreichische Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin

Harntransportstörungen im Kindesalter

Bedingt durch den standardisierten Einsatz des pränatalen Ultraschallscreenings werden Harntransportstörungen (HTS) in einer sehr frühen Phase der kindlichen Entwicklung diagnostiziert. Fetale Anomalien der ableitenden Harnwege finden sich in 0,2-0,4% aller Schwangerschaften, wobei diese meistens zwischen der 28.-30. Schwangerschaftswoche diagnostiziert werden. In unserem eigenen Krankengut fand sich in der Mehrzahl der Fälle eine Hydronephrose mit und ohne Obstruktion, ein Megaureter, eine HTS bei vesikoureteralem Reflux, eine pathologische Doppelniere ev. mit Ureterocele oder eine infravesikale Obstruktion (meist in Form einer Harnröhrenklappe) (Abb.:1). Jede Obstruktion geht mit einer Nierenhohlraumerweiterung einher, jedoch nicht jede Dilatation bedeutet, dass eine klinisch relevante Obstruktion vorliegt. In allen Fällen ist daher die Differenzierung zwischen einer relevanten Obstruktion oder einer passageren Dilatation ohne funktionelle Auswirkung auf die renale Funktion von großer Bedeutung.

Die erste postnatale Sonographie sollte in der Regel zwischen dem dritten und vierten Lebenstag erfolgen, da die Durchführung dieser Untersuchung zu einem früheren Zeitpunkt aufgrund des transienten Zustandes der Dehydratation mit herabgesetzter GFR zu einem falsch negativen Befund führen könnte. Bei Vorliegen von klinischen Symptome, dem Verdacht auf eine infravesikale Obstruktion, eines Oligohydramnions oder einer pathologischen Einzelniere wird der Ultraschall schon unmittelbar postnatal durchgeführt.

Jedoch kann eine Harntransportstörung auch erst in der Säuglingsperiode oder im Kindesalter zum Tragen kommen. Diese Kinder werden im Rahmen eines fieberhaften Harnwegsinfektes auffällig. Gerade der Harnwegsinfekt im Säuglings- und Kindesalter stellt eine ernstzunehmende Erkrankung dar, die einer raschen diagnostischen bildgebenden und funktionellen Abklärung und einer prompten Therapie bedarf. Im ersten Lebensjahr wird bei fieberhaften Erkrankungen in etwa 5% eine Harnwegsinfektion als Ursache diagnostiziert. Mit einer Inzidenz von bis zu 85% tritt eine Nierenbeteiligung (Pyelonephritis) in dieser Altersgruppe besonders häufig auf. Dabei kann in etwa 20-40% ein vesikoureteraler Reflux nachgewiesen werden. Eine Pyelonephritis führt in etwa der Hälfte der Fälle zu einem irreversiblen Parenchymverlust mit Narbenbildung.

An unserer Abteilung werden alle prä- und postnatal diagnostizierten Patienten bis zum Zeitpunkt der exakten Diagnosestellung mit Festlegung des weiteren Procederes unter eine antibiotische Dauerprophylaxe gestellt (Abb.:2). In unserem Krankengut hat sich gezeigt, dass die pränatale Diagnose mit der antibiotischen Dauerprophylaxe bis zur Diagnosestellung den Untergang von Nierenparenchym durch einen fieberhaften Harnwegsinfekt im Vergleich zu den Patienten ohne pränatale Diagnose , die erst durch einen fieberhaften HWI auffällig wurden, von über 10% verhindern konnte. Dennoch unterliegt der Stellenwert der pränatalen Diagnostik einer Harntransportstörung in der Literatur zum Teil einer sehr unterschiedlichen Einschätzung. Entscheidend ist die Aufklärung der Eltern über die Frühsymtome bei Harnwegsinfekten.

 

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