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Von einer Frühgeburt spricht man bei vorzeitiger Entbindung vor der zur 37. Schwangerschaftswoche und wenn der lebende Fetus über 500 Gramm wiegt. Obwohl Frühgeburten nur etwa 8% aller Geburten ausmachen, sind sie doch für etwa drei Viertel der Säuglingssterblichkeit verantwortlich. Die Überlebenschance des Kindes hängt jedoch weniger vom Geburtsgewicht ab, als vom Schwangerschaftsalter. Je früher ein Kind geboren wird, desto unreifer sind seine Organfunktionen. Dank moderner medizinischer Versorgungsmöglichkeiten und hochqualifizierter Technik an den neonatologischen Intensivstationen haben heute selbst Kinder, die in der 24. Schwangerschaftswoche entbunden werden, reelle Überlebenschancen.
Die charakteristischen Zeichen der drohenden Frühgeburt sind das vorzeitige Einsetzen der Wehentätigkeit oder der vorzeitige Blasensprung. In diesem Falle ist die Frühgeburt mit einem erhöhten Infektionsrisiko verbunden. Sollte es zu vorzeitigen Wehen oder zum Blasensprung gekommen sein, muss die Mutter - möglichst liegend - in ein Krankenhaus gebracht werden. Dadurch wird auch ein Nabelschnurvorfall vermieden, was einen Sauerstoffmangel des Kindes zur Folge haben kann.
- Regelmäßiger oder andauernder Druck im Becken
- Menstruationsähnliche Krämpfe mit oder ohne Durchfall
- Plötzliche oder anhaltende Kreuzschmerzen ("Ziehen" im Kreuz)
- Blutungen
- vermehrter gelblicher Ausfluss
Die Ursachen für eine Frühgeburt sind vielfältig, aber nur in etwa der Hälfte aller Fälle lassen sie sich genau nachweisen. Erkrankungen der Mutter und/oder des Kindes können genauso wie Veränderungen der Gebärmutter oder der Plazenta oder ungünstige äußere Einflüsse eine Frühgeburt herbeiführen. Umso wichtiger ist es, mögliche Risiken so früh wie möglich im Schwangerschaftsverlauf zu erkennen, um eine drohende Frühgeburt zu verhindern.
Mütterliche Ursachen
- Fehlbildung der Gebärmutter
- Myome
- Kurzer oder schwacher Muttermund ( Zervixinsuffizienz)
- Gestose
- Diabetes
- Infektionen
- Erhöhter Alkoholkonsum
- Rauchen
- Schwere körperliche Belastung
- Psychische Faktoren
Fetale Ursachen
- Mehrlinge (das Risiko steigt, je mehr Kinder sich den Platz teilen müssen)
- Fehlbildungen beim Kind
- Fetaler Mangelwuchs
Plazenta als Ursache
- falsche Lage der Plazenta:
- (z.B. Plazenta praevia: Plazenta liegt vor dem inneren Muttermund)
- vorzeitige Lösung der Plazenta
- Durchblutungsstörungen der Plazenta
Während der Vorsorgeuntersuchungen können die Anzeichen einer drohenden Frühgeburt, wie vorzeitige Wehentätigkeit oder Zervixinsuffizienz erkannt und behandelt werden.
Wenn eine Frühgeburt bevorsteht, kann das Überleben des Kindes davon abhängen, in welcher Klinik die Mutter entbindet. Je früher sich die Entbindung ankündigt, um so wichtiger ist eine sachkundige Erstversorgung des unreifen Neugeborenen durch einen Neonatologen und die anschließende Behandlung auf einer Frühgeborenen-Intensivstation.
Für ein unreifes Baby, das zu früh auf die Welt kommt, muss die Geburt auf besonders schonende Weise erfolgen. Die Geburtshelfer werden eine Methode wählen, bei der ein geringer Druck auf den noch weichen Kopf des Kindes ausgeübt wird - unter Umständen ein Kaiserschnitt.
- körperliche Schonung
Bei einer drohenden Frühgeburt ist die Einweisung in ein Krankenhaus ratsam. Nur durch Schonung und Bettruhe lässt sich der Druck auf bestimmte Nerven im Becken reduzieren und damit die Wehen unterbrechen. Mutter und Kind werden laufend kontrolliert, jedes weitere Handeln hängt in erster Linie vom Zustand des Kindes ab. Geht es dem Feten gut, werden die Bemühungen der Ärzte darauf abzielen, die Zeit des Ungeborenen im Mutterleib zu verlängern. Je länger das Kind sich in der Gebärmutter entwickeln kann, umso besser sind seine Aussichten, die erste Lebensphase ohne Probleme zu überstehen. Je nach Gesundheitszustand des Kindes entscheiden Arzt oder Ärztin, wann der geeignetste Zeitpunkt ist, die Schwangerschaft erfolgreich zu beenden.
Hat ein Blasensprung trotz normal langem Gebärmutterhals stattgefunden, muss täglich ein bis zweimal mittels Fieberthermometer und Bluttest kontrolliert werden, ob sich bei der Mutter eine Infektion anbahnt. Ist das der Fall, und die Infektion kann nicht mit Antibiotika beherrscht werden, muss die Schwangerschaft beendet werden (Geburtseinleitung oder Kaiserschnitt)
- Wehenhemmende Medikamente
Um die Schwangerschaft zu erhalten muss die Wehentätigkeit medikamentös gehemmt werden. Gleichzeitig wird oft Magnesium gegeben. Diese Therapie wird als Infusion begonnen und kann später oral fortgesetzt werden. Zusätzlich bekommen viele Frauen beruhigende Medikamente.
- Cerclage
Liegt eine Zervixinsuffizienz vor, kann mit einem Kunststoffbändchen der Muttermund im zweiten Schwangerschaftsdrittel mechanisch verschlossen werden. Nach einem künstlichen Verschluss sollte körperliche Anstrengung vermieden werden. Sinnvoll ist diese Methode aber nur bis etwa zur 26. SSW.
- Lungenreife:
Beginnt die Wehentätigkeit bereits vor der 34. Schwangerschaftswoche, wird der werdenden Mutter Cortison verabreicht, um die Lungenreife der Ungeborenen zu beschleunigen. Damit soll gewährleistet werden, dass die frühgeborenen Kinder sich einigermaßen gut auf die eigenständige Atmung vorbereiten können.
Wenn die Gefahr einer Frühgeburt besteht, ist es vernünftig, sich zu schonen und auf anstrengende Tätigkeiten aber auch auf Geschlechtsverkehr zu verzichten. Ist die Mutter berufstätig, sollte sie eine frühzeitige Arbeitsfreistellung beantragen. Stress kann vorzeitige Wehen auslösen!
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