Österreichische Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin

Perinatalzentrum

Unter einem Perinatalzentrum versteht man ein Krankenhaus mit Schwerpunkt auf Betreuung von Risikoschwangerschaften und Risikogeburten inklusive Frühgeburten durch spezialisierte Ärzte, Ärztinnen und Fachkräfte aus dem Bereich Geburtshilfe, Kinderheilkunde, Kinderchirurgie und Anästhesie

Aufgaben eines Perinatalzentrums

Die Kernaufgabe eines Perinatalzentrums liegt in der Betreuung und Entbindung von Risikoschwangeren. Dazu zählen Mehrlingsschwangerschaften, Frauen mit Gestose oder Diabetes, Fehlbildungen oder andere Erkrankungen beim Kind, um nur die wichtigsten Schwangerschafts – und Geburtsrisiken zu nennen. Durch qualifizierte Untersuchungen ist es möglich, schwangerschaftsbedingte Erkrankungen bei der Mutter sowie gesundheitliche Probleme beim Kind rechtzeitig zu erkennen und entsprechende Maßnahmen einzuleiten.

Betreuung von "Low Risk" Schwangeren

Ein Großteil der Schwangeren kann einer so genannten „Low-Risk“-Gruppe zugeordnet werden, das bedeutet, die Schwangerschaft wird voraussichtlich ohne Komplikationen verlaufen. Ebenso sind für die Geburt keine Risiken zu erwarten. Dementsprechend sind routinemäßige Untersuchungen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen ausreichend, die Schwangere kann auch von einer Hebamme betreut werden, in einem Geburtshaus oder einer Privatklinik, ambulant oder zu Hause entbinden. Komplikationen können aber trotz sorgfältiger Betreuung zu jedem Zeitpunkt der Schwangerschaft auftreten. In diesem Fall sollte die werdende Mutter von ihrem behandelnden Arzt/Ärztin an ein Zentrum überwiesen werden, wo diesem Problem speziell Rechung getragen wird. Die fachgerechte Behandlung und der versierte Umgang mit Komplikationen resultiert auch aus der hohen Entbindungsrate in solchen Krankenhäusern.

Schwerpunkte einer Risikoambulanz - Abteilung für pränatale
Diagnostik und Therapie

  • Mit Hilfe von modernen Diagnoseverfahren erfolgt bereits in der Frühschwangerschaft eine gezielte Abklärung von Fehlbildungen und Chromosomenstörungen – in einigen Fällen auch die entsprechende Therapie.
     
  • Früher Fehlbildungsultraschall im ersten Schwangerschaftstrimester
     
  • Eine weitere Abklärung ist in Zusammenarbeit mit dem hauseigenen humangenetischen Labor möglich, z. B. Fruchtwasserpunktion.
     
  • Organsscreening zwischen 18. und 22. Schwangerschaftswoche
     
  • Mit der Methode der Dopplersonographie stehen zusätzliche Überwachungsmethoden zur Verfügung, die ein weiteres Maß an Sicherheit bieten.
     
  • Frühgeburtsbestrebungen werden rechtzeitig erkannt durch Messung der Länge des Gebärmutterhalses, Wehenschreiber und Kontrollen der Scheidenflora
     
  • Diagnose und Behandlung von mütterlichen Komplikationen
     
  • Mehrlingssschwangerschaften werden besonders engmaschig betreut
     
  • Die Herztonüberwachung des Kindes in der Spätschwangerschaft wird mit Hilfe der Kardiotokographie (CTG) durchgeführt. Dabei erhält man eine Information über die fetale Herzfrequenz, d.h. die kindlichen Herztöne in Kombination oder in Abhängigkeit von möglicherweise schon auftretender Wehentätigkeit; Zwillinge können mit zwei CTG Geräten simultan überwacht werden.

Vier Fachdisziplinen vor Ort

  1. Geburtshilfe
    Auch bei der Geburt stehen der werdenden Mutter in einem Perinatalzentrum maximale Versorgungsmöglichkeiten zur Verfügung. Neben einem versierten Geburtshilfeteam sind auch ein Anästhesist und ein Kinderarzt in ständiger Dienstbereitschaft. Der Kreiss-Saalbereich verfügt über mehrere modern ausgestattete Kreiss-Säle, die eine familienorientierte Geburtshilfe bieten. Alle Kreisszimmer haben ein kontinuierliches CTG-Monitoring für die Aufzeichnung der kindlichen Herztöne und der Wehentätigkeit. Mit Hilfe eines Ultraschallgerätes kann die kindliche Lage, die Lage der Plazenta und die Nabelschnur des Kindes dargestellt werden. In speziellen Fällen sind auch noch weitere Überwachungsmöglichkeiten des Kindes, etwa die Pulsoxymetrie zur Messung des kindlichen Sauerstoffgehalts, möglich.
     
    Sanfte Geburt im Krankenhaus
     
    Dennoch ist eine sanfte Geburt auch im Krankenhaus möglich. In den meisten Kliniken kann die Schwangere mit dem Partner oder einer anderen Begleitperson die Geburt als ein einmaliges Ereignis erleben. Dazu gehört auch die freie Wahl der Gebärposition, z. B. die Geburt auf dem Gebärhocker im Sitzen oder auch im Stehen. Vervollständigt wird das Angebot an alternativen Geburtsmethoden oft durch ein Roma-Rad, Pezzi-Ball, Sprossenwand und natürlich ein modernes Kreissbett, das verschiedene Positionen ermöglicht. So ferne keine Komplikationen auftreten, übernimmt auch in einem Krankenhaus die Hebamme den Großteil der Geburt. Bei Risikogeburten ist allerdings von vornherein auch ein Arzt anwesend. Zusätzlich steht ein Oberarzt rund um die Uhr zur Verfügung, wenn sich ernsthafte Probleme entwickeln.
     
    Möglichkeiten der Geburtseinleitung
     
    Um den Geburtsvorgang zu unterstützen, beziehungsweise Wehen zu produzieren, ist manchmal der Einsatz von Medikamenten erforderlich. Eine sanfte Methode, die Zervixreife zu beschleunigen (d. h. heißt den Muttermund weicher und offener zu machen) erfolgt mit Hilfe von Prostaglandinen – meist in Form von Scheidenzäpfchen oder als Gel. Eine Anregung der Wehentätigkeit ist auch durch das künstlich hergestellte Hormon Oxytocin möglich. Es hilft, die Geburt entweder einzuleiten, oder Wehen zu verstärken, wenn die Kontraktionen zu schwach sind, beziehungsweise kein richtiger Geburtsfortschritt zu erkennen ist. Oxytocin wird über einen Dauertropf verabreicht.
    Wehenhemmende Medikamente können erforderlich sein, wenn schnell aufeinanderfolgende oder zu starke Wehen auftreten und damit das Kind gefährden, da die Durchblutung des Mutterkuchens und damit die Versorgung mit Sauerstoff vermindert werden kann. Ist eine kurzfristige wehenhemmende Medikamentengabe erforderlich, kann es in dieser Zeit zu einer Beschleunigung des Pulses kommen. Es besteht in diesem Fall jedoch keine Gefahr für das Kind, und die Symptome verschwinden nach Beendigung der Medikamentengabe meist rasch.
     
  2. Anästhesie
    Die Frage der Schmerzbekämpfung unter der Geburt wird individuell besprochen. Reichen entsprechende Atemtechniken als Schmerzbekämpfung nicht aus, wird bei Bedarf neben schmerzstillenden Medikamenten auch eine rückenmarksnahe Betäubung (PDA) angeboten. Ein Anästhesist klärt die Schwangere über die technische Durchführung der PDA auf, macht auf Risiken und Vorteile aufmerksam und führt diese Behandlung auch durch. Ist Flexibilität trotz PDA erwünscht, kann ebenfalls eine kontinuierliche Überwachung des Kindes durchgeführt werden (Walking Perdiural). Mit einem kleinen Sender, den die werdende Muter bei sich trägt, können kontinuierlich die Herztöne des Kindes aufgezeichnet werden. Damit ist eine freie Bewegungsmöglichkeit gegeben, ohne an CTG-Kabeln fixiert zu sein.
     
  3. Neonatologie
    Es reicht jedoch nicht aus, von geburtshilflicher Seite ein Maximum an Erfahrungen und Behandlungsoptionen vorweisen zu können. Auch die lückenlose Versorgung kleiner frühgeborener Kinder oder Kinder mit vorübergehenden Problemen stellt einen wesentlichen Aufgabenbereich eines Perinatalzentrums dar. So ist eine Intensivstation für Neugeborene (Neonatologische Station) mit entsprechender Ausstattung und erfahrenen Kinderärzten ein wichtiges Kriterium. Eine weitere Bedingung ist, dass sich Kreiss-Saal und Neugeborenenintensivstation in unmittelbarer Nähe zueinander und im gleichen Stockwerk befinden. Damit ist gewährleistet, dass sich das neonatologische Team vor Ort und sofort um das Frühgeborene beziehungsweise das Problemkind kümmern kann und Transporte, die für das Kind unter Umständen schädlich sind, vermieden werden. Auch der intensive Kontakt zwischen Mutter und Kind nach der Geburt ist dadurch möglich.
     
  4. Kinderchirurgie
    Wenn eine organische Erkrankungen beim Kind eine Operation des Säuglings notwendig macht, (etwa bei gravierenden Herzproblemen) bietet ein qualifiziertes Team von Kinderchirurgen, Kinderanästhesisten, Kinderkrankenschwestern und Kinderphysiotherapeuten ein hohes Behandlungsniveau. Die bestmöglichste Sicherheit und ein optimales Behandlungskonzept während der gesamten Behandlungsdauer ist ein großes Anliegen des kinderchirurgischen Teams. Darüber hinaus ist in modernen Krankenhäusern das Umfeld für die kleinen Patienten auf ihre Bedürfnisse ausgerichtet: kindgerechtes Essen, Spielmöglichkeiten und kinderspezifische physio-therapeutische sowie psychologische Betreuung bilden einen wichtigen Rahmen, den Aufenthalt unproblematisch, kurz und effizient zugleich zu gestalten.

Weitere Angebotsschwerpunkte

  • Geburtsvorbereitungskurse mit Schwerpunkt auf Entspannungsübungen und bewusstem Einsatz von Bauch- und Beckenbodenmuskulatur
  • Wochenbettgymnastik nach der Geburt
  • Stillberatung
  • Notfallversorgung

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