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Unter Schwangerschaftsdiabetes versteht man eine spezielle Form der Zuckerkrankheit, die sich während der Schwangerschaft entwickeln kann oder erstmals diagnostiziert wird. Die Häufigkeit dieser schwangerschaftsassoziierten Komplikation liegt in unseren Breiten zwischen 3 und 5%. Früher dachte man, dass das Thema "Gestationsdiabetes" mit der Geburt beendet ist. Mittlerweile weiß man, dass diese Erkrankung Langzeitkomplikationen bei Mutter und Kind bewirken kann.
- Mögliche Folgen sind die starke Zunahme der Fruchtwassermenge und ein abnormales Größenwachstum des Kindes (Makrosomie). Bei der Geburt wiegen die Babys meistens mehr als 4000 Gramm. Auf Grund des Gewichtes kann es zu Problemen während der Geburt kommen, die auch das Kind belasten. Häufig wird daher ein Kaiserschnitt durchgeführt.
- Außerdem kann die Ausreifung des ungeborenen Kindes verzögert ablaufen, insbesondere die langsamere Ausreifung der kindlichen Lungen. Daneben sind Herzkrankheiten (vergrößertes Herz mit weniger Leistungsfähigkeit), Stoffwechselstörungen und Verschiebungen im Salzhaushalt des Kindes zu beobachten.
- Nach der Geburt neigen die Neugeborenen von Müttern mit Gestationsdiabetes zur Unterzuckerung. Durch regelmäßige Kontrollen innerhalb der ersten 48 Lebensstunden und gegebenenfalls Zufütterung von Traubenzuckerlösung sind Schäden zuverlässig auszuschließen
- Eine große Gefahr liegt darin, dass es zu Veränderungen der Plazentaentwicklung kommen kann, die schlimmstenfalls zum Absterben des Kindes führen.
- Jedes dritte Kind einer Frau mit Schwangerschaftsdiabetes ist mit 30 Jahren bereits selbst Diabetiker. Bei anderen erhält sich die Neigung zum Übergewicht. Die Rate der Sterblichkeit vor und nach der Geburt ist erhöht.
Das Hauptproblem bei der Diagnose des Schwangerschaftsdiabetes ist, dass er zunächst ohne Beschwerden verläuft. Als unspezifische Symptome zeigen sich eine erhöhte Anfälligkeit für Harnwegsinfektionen oder eine verstärkte Übelkeit mit Erbrechen. Schwangere mit einem Gestationsdiabetes entwickeln öfters schwangerschaftsbedingten Bluthochdruck (Präeklampsie). Mütter mit Gestationsdiabetes haben ein erhöhter Risiko für Typ II-Diabetes; 50-80 Prozent aller betroffenen Frauen leiden während einer zweiten Schwangerschaft erneut daran. Wird der mütterliche Zuckerstoffwechsel frühzeitig normalisiert, lassen sich die Risiken für Mutter und Kind deutlich verringern.
In der Schwangerschaft ist das Gleichgewicht zwischen blutzuckererhöhenden Schwangerschaftshormonen und dem blutzuckersenkenden Hormon Insulin verändert. Etwa ab dem letzten Schwangerschaftsdrittel steigt der Insulinbedarf besonders stark an. Das erklärt auch, warum sich der Gestationsdiabetes oft erst nach der 24. Schwangerschaftswoche entwickelt. Die Ursache liegt darin, dass die Schwangere den erhöhten Bedarf an Insulin nicht durch eine verstärkte Insulinfreisetzung aus der Bauchspeicheldrüse ausgleichen kann. Nach der Geburt nimmt der Insulinbedarf wieder ab und der Schwangerschaftsdiabetes verschwindet im Allgemeinen.
Der Schwangerschaftsdiabetes betrifft meist übergewichtige Frauen sowie Schwangere, in deren Familien bereits einmal ein Typ-2- oder Gestationsdiabetes aufgetreten ist. Weitere Risikofaktoren, die das Auftreten des Schwangerschaftsdiabetes erhöhen, sind Frühgeburten oder Kindstod in fortgeschrittener, vorangegangener Schwangerschaft, Mütter, die älter als 30 Jahre sind oder bereits Kinder mit einem Geburtsgewicht über 4000 Gramm zur Welt gebracht haben. Ebenso neigen gewisse Bevölkerungsgruppen (hispanische, afrikanische) gehäuft zu Schwangerschaftsdiabetes.
Der Gestationsdiabetes lässt sich durch den Glukosetoleranztest in der Regel ab der 24. 28. SSW feststellen. Dabei misst man den Blutzuckerwert nüchtern sowie eine und zwei Stunden nach Verabreichung von Glukose. Sind die Untersuchungsergebnissen grenzwertig, empfiehlt es sich, den Zuckerbelastungstest nach drei bis vier Wochen zu wiederholen.
Wird dieser Test nicht durchgeführt, wird die Erkrankung meist erst durch Folgeerscheinungen auffällig, beispielsweise starke Zunahme der Fruchtwassermenge oder abnormales Größenwachstum des Kindes.
Bei etwa 85 Prozent der Schwangeren ist die richtige Ernährung als Therapie ausreichend. Wer normalgewichtig ist, sollte im Lauf der Schwangerschaft nicht mehr als zwölf Kilogramm zunehmen. Bei werdenden Müttern mit diesen Risikofaktoren sollte bereits im ersten Schwangerschaftsdrittel ein Glukosebelastungstest durchgeführt werden.
Mütterliche und fetale Komplikationen können durch das rechtzeitige Erkennen und Behandeln eines Gestationsdiabetes verhindert werden. Ziel der Behandlung ist es, eine Erhöhung des kindlichen Insulins zu verhindern, das durch erhöhte Blutzuckerwerte der Mutter bedingt ist. Angestrebt wird daher, die mütterlichen Blutzuckerwerte vor und nach dem Essen zu normalisieren. Das ist besonders wichtig ab der 24. Schwangerschaftswoche, da sich zu dieser Zeit durch die Blutzuckereinstellung noch das überproportionale Wachstum des Kindes verhindern lässt. Für die richtige Überwachung der Patientinnen gibt es ein so genanntes 3-Säulen-Modell bestehend aus Diät, Bewegung und Insulintherapie. Empfehlenswert ist eine Ernährungszusammensetzung mit hohem Kohlenhydrat- gegenüber geringerem Fett- und Proteinanteil. Anders als bei gesunden Schwangeren sollen Kohlenhydrate wie Süßspeisen, Limonaden und Weißbrot gemieden werden. Dafür sollte Schwarzbrot, Getreide, Gemüse gegessen werden, da die Aufspaltung dieser Kohlenhydrate viel langsamer vor sich geht und der Glukoseanstieg dann viel moderater verläuft. Ist es nicht möglich, durch Diät und Bewegung Normalwerte zu erreichen, kommt als dritte Säule die Insulintherapie ins Spiel, in deren Rahmen zweimal täglich ein Langzeitinsulin und jeweils 2030 Minuten vor dem Essen ein Kurzzeitinsulin gespritzt wird.
Die wichtigste Maßnahme beim Kind ist die Überwachung im Krankenhaus bis zur Stabilisierung der Organfunktionen.
Gesichert ist, dass eine Terminüberschreitung vermieden werden soll. Üblicherweise wartet man ab, wie sich der Zustand von Mutter und Kind entwickelt. Ob es einen Vorteil bringt, ab der 38. SSW die Geburt einzuleiten, ist nicht eindeutig bewiesen, aber zumindest die Makrosomie beim Kind könnte dadurch vermeiden werden. In den meisten Fällen entscheiden sich die Geburtshelfer für eine Entbindung per Kaiserschnitt.
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