Österreichische Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin

Kurzfassungen/Abstracts
zur Jahrestagung der Österreichischen
Gesellschaft für Prä- und Perinatale Medizin
26.2.2005, 9.00 Uhr (c.t.)

 

 

 

Beatmungsstrategien bei Frühgeborenen: Evaluation des ersten totraumfreien Flowsensors im neonatalen Lungenmodell
M. Wald MD, V. Jeitler CM, L. Kirchner MD, A. Pollak MD, M. Weninger MD

Abteilung für Neonatologie, angeborene Störungen und Intensivmedizin, Univ. Klinik für Kinder- und Jugendheilkunde, Medizinische Universität Wien, Österreich

Einleitung: Chronische Lungenschäden, mitverursacht durch maschinelle Beatmung, sind ein wesent-liches Morbiditätsrisiko bei extrem kleinen Frühgeborenen. Ursache dafür ist die Überdehnung der Lungenarchitektur durch die oft notwendigen hohen Tidalvolumina. Eine Möglichkeit zur Reduktion des Tidalvolumens ist die Minimierung des Technischen Totraumes. Wir haben ein neues Beatmungs-system entwickelt, wobei 10% des Beatmungsflows über eine Bypass (Splitflow) Leitung zum Tubus-ansatz geleitet werden und von dort retrograd den Totraum auswaschen. In zwei Pilotstudien konnte durch dieses Auswaschen des Totraumes der Beatmungsaufwand um bis zu 40% reduziert werden. Herkömmliche Flowsensoren sind für diese neue Form der totraumreduzierten Beatmung allerdings nicht geeignet, da sie den retrograden Splitflow als zusätzlichen exspiratorischen Flow detektieren, wodurch eine genaue Messung des Tidalvolumens unmöglich wird. Wir haben deshalb einen Prototyp eines Flowsensors entwickelt, der auch bei Splitflowbeatmung eine genaue Volumsmessung und damit eine synchronisierte Beatmung ermöglicht.

Methode: Der Standard Flowsensor für Frühgeborene (FS1) („Fabian“ Flow- und Volumenmessgerät für Früh- und Neugeborene, Fa. Acutronics, Baar, Schweiz) wurde so umgebaut, dass eine Splitflow Leitung im Bereich des Tubusansatzes angeschlossen werden konnte. In diese wurde ein weiterer Flowsensor (FS2) integriert. Eine Testlunge für Frühgeborene wurde mit einem „Florian“ Beatmungs-gerät für Frühgeborene (Fa. Acutronics, Baar, Schweiz) mit standardisierten Beatmungseinstellungen (PIP: 13 mbar, PEEP: 3 mbar, Inspirations - und Basis Flow: 8 l/min, f: 60/min I:E: 1:1) beatmet. Der in die Testlunge strömende Flow wurde mittels eines dritten Flowsensors (FS3) als Referenzwert ge-messen. Die Signale der drei Sensoren wurden über einen Computer ausgelesen und weiterverarbeitet. Hierbei wurden die Flowkurven von FS1 und FS2 graphisch addiert und mit der Referenzkurve von FS3 verglichen. Weiters wurden die sich aus der Summenkurve von FS 1+2 ergebenden Tidalvolumi-na mit den von FS3 ermittelten Tidalvolumina verglichen.

Ergebnisse: Die Summenkurve der beiden Sensoren FS 1+2 war ident mit der Referenzkurve von FS3. Das durch FS1+2 ermittelte inspiratorische Tidalvolumen betrug (MW ±SD) 6,6 ±0,01 ml, das exspiratorische 6,7 ± 0,02 ml. Die Kurve von FS3 ergab ein inspiratorisches Tidalvolumen von 6,5 ± 0,20 ml und ein exspiratorisches Tidalvolumen von 6,6 ± 0,09 ml.

Konklusion: Unsere Ergebnisse zeigen, dass mit dem von uns entwickelten Flowsensor im experi-mentelle Ansatz eine genaue Volumsmessung möglich ist. Somit könnte die totraumreduzierte Splitflowbeatmung auch im klinischen Betrieb eingesetzt werden und dadurch einen Beitrag zur Re-duktion chronischer Lungenschäden von kleinen Frühgeborenen leisten.

 

 

 

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